Die Gutenberg Galaxis: eine Tragödie?

Wer sich näher mit der Gutenberg  Galaxis und der Mediengenealogie von Marshall McLuhan beschäftigt (siehe auch Ende und Neuanfang der Gutenberg Galaxis) muss zwanghaft den Eindruck gewinnen, dass die Phase des gedruckten Wortes eher Fluch als Segen war. McLuhan teilt die menschliche Geschichte mediengenealogisch in vier Epochen ein: in die Epoche der mündlichen Kommunikation (Oralität), in die der (handschriftlichen) Literalität mit ihren klösterlichen Skriptorien, in die der typografischen Gutenberg-Galaxis mit ihren Druckmaschinen und letztlich das jetzt herrschende elektronische Zeitalter. McLuhan untersuchte die Auswirkungen verschiedener Kommunikationsmedien und -technologien auf die europäische Kultur und das menschliche Bewusstsein. Danach hätte typographische Kultur der Gutenberg Galaxis die kulturelle Vielfalt in den Hintergrund gedrängt und die Wahrnehmung visuell „homogenisiert“. Nach seiner Argumentation bewirkte die Durchsetzung des Buchdrucks z.B. die Entstehung des Nationalismus sowie die Vereinheitlichung und Standardisierung der Kulturen und die Entfremdung der Individuen. Man ist auch angesichts der vielen Katastrophen des 20. Jahrhunderts geneigt, der gnadenlos scharf formulierten und logisch stringenten Argumentation zu folgen.

Insofern sollte das kommende Post-Gutenberg’sche Zeitalter der Social Media wohl eine Phase der „besseren Welt“ werden. Vielleicht wird durch die globale Vernetzung und der dadurch verursachten physischen Distanz der Freunde und Kommunikationspartner (Virtualisierung der Beziehungen) tatsächlich eine neue, friedlichere Welt geschaffen.

Posted via email from Press:el's Notizen des neuen Verlegens

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